Tom Früchtl
Transkript
Also grundsätzlich gibt es nur eine Balance, die mich in der Malerei immer interessiert,
das ist die Nahwirkung und die Fernwirkung.
Aber damit spiele ich natürlich auch, dass man eine Illusion erzeugt von Fernen,
die sich dann bei näherem Hinsehen eigentlich auflöst
und letztendlich sich die Malerei selbst zeigt oder, wenn man so will, auch die Farbe.
Aus Low-Film-Ex-Hi-Fi, also das sind sehr niedrige Materialien, meistens gefundene
oder oft aus dem Recycling-Bereich oder Holz oder Pappe und durch die malerische Behandlung
kriegen sie natürlich, schauen sie dann oft edler aus.
Aber die Veredelung findet ja eigentlich schon vorher statt,
indem man a la Object-Trouvé oder Ready-Made, was man in der Kunstgeschichte kennt,
wenn man sie auf den Sockel stellt oder in den Ausstellungsraum präsentiert,
passiert da schon mal eine Aufwertung des Ganzen.
Hier findet eine Doppelung statt, durch Malerei wird es dann noch mal ein Stück weit mehr erhoben.
Was mich immer wieder fasziniert und was mich immer wieder antreibt zu sehen,
diesen Kipp-Moment auch zu finden, wann kippt es um und wann sehe ich das Motiv eigentlich gar nicht mehr,
sondern nur noch das Material.
Also im Englischen gibt es ja auch die schöne Unterscheidung zwischen Color und Paint.
Wir haben ja nur das Wort Farbe dafür.
Aber ich finde es ja schön, dass die Farbe eigentlich auch immer Material ist.
Der Material ist der Körper der Farbe, also die klebrige, körperhafte, zähflüssige Ölfarbe.
Und Color ist der Farbwert.
Also es wird dann grün oder braun oder rot oder irgendwie die Farbe.
Und ich mag es schon, wenn die Farbe als Körper selbst auch noch agieren darf und eine Funktion erfüllt.
Und der Platzhalter für das wird, was es eigentlich abbilden kann.
Das beste Beispiel ist vielleicht die Spanplatte, wo die Farbe dreidimensional fast aufgetragen wird
und wirklich wie die Späne, also die kleinen Malschlieren werden sozusagen wie die Holzspäne
in der Farbigkeit und auch in der Körperlichkeit.
Also es ist ja fast ein kleines Relief.
Also was mir eigentlich ganz gut gefällt, das ist ja fast schon so Slapstick-artig.
Diese Papparbeit, die du ausgewählt hast, die eigentlich sehr schön passt.
It's a balanced trick.
Das ist der totale Trick, weil die stützen natürlich die Arbeit nicht.
Sie hängt an der Wand und die Stützen müssen selbst noch gestützt werden, weil sie unten nämlich wegrutschen werden.
Also so zu faken gefällt mir natürlich in dem Kontext sehr gut, weil es ist ja ein balanced trick.
Und eigentlich ist ja immer viel Trick natürlich auch dabei.
Malerreich ist immer Trick, ist immer irgendwie auch Verführung oder hinters Licht Führung etc.
Wenn man da vor einem Schummeln ist, ja.
Und ich finde dieses Schummeln bei diesen zwei Holzständern besonders schön, dass selbst das Gaffa geschummelt ist.
Ja genau, weil das ist auch absolut dysfunktional, weil das ist nur Farbe und mit Farbe ist nicht zusammengehalten.
Wenn man genauer hinblickt, ich habe die sogar jetzt versehentlich verkehrt herum installiert,
sieht man sogar noch die Schraube, die mit Farbe überpinselt ist.
Aber das ist gerade schön, dass sich dann das ganze Spielchen auflöst, wenn man näher hintritt.
Also wenn sich der Balance-Trick quasi entlarven lässt.