Gabi Schillig über ihre Arbeit
Transkript
Deine Arbeiten, die sind ja sehr fragil und ich finde es so schön, dass diese Fragilität
gleichzeitig auch eine Stärke ist, also radikal fragil, wenn man so will.
Welche Grenzen verschiebst du da eigentlich?
Also es gibt halt bestimmte Strukturen, würde ich sagen, in meinen Arbeiten, auch das Material
bringt eine bestimmte Struktur auch mit sich und Benutzbarkeit, aber es gibt sozusagen
durch die Weichheit eigentlich so eine Art Offenheit in der Form, also das heißt, in
dem Moment, wo eigentlich der Körper in Kontakt tritt mit dem Material oder mit der
Architektur, in meinem Fall, also ich nenne es auch immer noch Architektur, was ich da
mache, entsteht eigentlich wie so eine Art organischer Raum, der sehr veränderbar, transformierbar
ist, auf den jeder irgendwie auch Einfluss nehmen kann und der dann am Ende schon an
eine Struktur gebunden ist, aber nicht an eine bestimmte Form.
Dass du einen organischen Raum schaffst, das ist für mich gerade ein sehr schöner Hook
für die nächste Frage, weil eigentlich in einer Ausstellung klassischer Bauart ist
es ja so, da hängt ein Werk an der Wand und dann kommt der Betrachter oder die Betrachterin,
schaut sich das Werk an und geht wieder und bei dir hat es ja so eine Luftigkeit und so
eine Bewegung und während der Eröffnung wurden diese Arbeiten auch aktiviert, wie
du sagst, also dass sie bewegt werden konnten.
Inwiefern möchtest du das auch in der Dauer der Ausstellung fortführen?
Also sollen die angefasst, dürfen die angefasst werden?
Die dürfen auf jeden Fall auch angepasst werden, bei mir ist es auch so, dass die Arbeiten
eigentlich, oder wie soll ich sagen, es ist auch immer so ein bisschen eine Herausforderung
für mich, so Arbeiten in der Ausstellung zu zeigen, die dann halt in einem Museumsraum
stattfindet, weil mich eigentlich vor allem die Arbeit interessiert als eine Art Vermittlerobjekt
eben zwischen Mensch und Raum oder zwischen Mensch und Mensch und das heißt eigentlich
existiert die Arbeit für mich tatsächlich nur so richtig eigentlich in dem Moment, wo
die auch benutzt.
Ja, es ist gegen jede Konvention in westlichen Museen, also anschauen ja, anfassen nein.
Genau und also sozusagen dieses In-Kontakt-Reden über die Berührung ist total wichtig und
ich nehme es auch in Kauf sozusagen, dass, also weil ich meine gerade bei den Klaus-Arbeiten
ist das so die Frage, oh Gott, gehen die jetzt kaputt oder was ist damit, aber eigentlich
hoffe ich mir, dass also durch das Thema sozusagen dieser Weichheit oder der Fragilität, das
hast du ja vorhin auch so gesagt, dass damit ein behutsamer Umgang dann eigentlich passiert
und dass die Weichheit dann eigentlich auch wieder so ein bisschen zurückgeworfen wird
eigentlich auf den oder die, die da oder der damit interagiert, weil du musst sehr vorsichtig
mit den Objekten umgehen und ich glaube halt, dass es diese Form und auch diese Materialität,
die strahlt es ja aus.
Und genau, also ich glaube diesen Umgang sozusagen mit Raum oder dem Gegenüber, also was ist
eigentlich außerhalb von mir als selbst, wie interagieren wir eigentlich jetzt mit
der Welt, mit dem Raum, mit dem Gegenüber, das steckt alles so ein bisschen da in der
Arbeit irgendwie drin.
Also könnte man sagen, es ist schon auch sehr politisch irgendwo.
Würde ich absolut sagen, also obwohl die Arbeiten vielleicht auf den ersten Blick jetzt
gar nicht so daherkommen und so mit so einer Fahne, ich bin jetzt politisch oder ich bin
jetzt feministisch oder ich bin jetzt dieses oder jenes, sondern die Arbeiten sind glaube
ich universeller zu begreifen, also wie du halt sagst, also ich denke, dass in dem Moment,
wo wir uns auch mit Materialität beschäftigen, mit Objekt, mit Form, mit Brutsamkeit, ja
strahlt es natürlich auch da auch aus auf einem Umgang sozusagen mit dem, was uns umgibt
oder vielleicht eigentlich gar nicht mehr so sehr so, das bin ich und das ist das andere
oder der andere, sondern eigentlich...
Ne, man ist ja eigentlich Teil quasi dieser Welt und man ist eigentlich viel mehr innen
und weniger sozusagen, weiß ich nicht, ich bin innen und die Welt ist außen, sondern
eigentlich sind wir ja Teil davon.