Sophia Pompéry über Csilla Klenyánszki
Transkript
G. Loklenjansky ist mit Fotos aus zwei Werkserien vertreten. Einmal Pillars of Home und einmal
Reminiscence of Being a Woman. Und in der ersten Serie, also Pillars of Home, was so
viel heißt wie Pfeiler des Heimes, sehen wir wackelige Türme aus Alltagsgegenständen,
die sich zum Beispiel auf einer Kante einer Tür oder aus verschiedenen Möbeln bis an
die Decke ranken. Und die Arbeit ist so entstanden, dass sie als Mutter eines Kleinkindes, immer
wenn das Kleinkind Mittagsschlaf hielt, diese kurze Zeit dem Tag abrang, um etwas zu bauen,
was bis an die Decke reichte. Die eigentliche Bühne dieser Arbeit, der Haushalt einer selbstständigen
jungen Mutter, also Mutter und Künstlerin, die sich Zeit abbringen muss, um kreativ werden
zu können. Und auch hier kann man ein ganz schönes Wortspiel ranziehen, weil Haushalten
oder der Haushalt, da ist ja auch das Wort Halt drin, und so einen Haushalt zu führen, das heißt
unablässig zusammenzuhalten, was auseinanderzufallen droht, Dinge, Termine, Menschen, sich selbst,
die finanziellen Sachen, die Ordnung zu Hause und so weiter. Und ich finde, ihr gelingt es ganz gut,
diesen Spagat spielerisch, sarkastisch und humorvoll zu spielen, wie es heißt,
zwischen mehreren Rollen zu stehen oder verschiedene Rollen zeitgleich verkörpern
zu müssen. Es heißt ja auch Work-Life-Balance. Ich halte von diesem Wort nicht viel, weil
Life ohne Work geht irgendwie nicht und Work ohne Life auch nicht. Und es sind nicht zwei Pole,
sondern man muss es immer irgendwie gleichzeitig austarieren können. Das spiegelt sich in dieser
Arbeit ganz wunderbar zwischen Gender und Selbstständigkeit und kreativen Schaffen.