Über Anna Borgmans Arbeit "Just Before The Blink"
Transkript
hier Just Before the Blink von Anna Borgmann und diese Arbeit, die vereint
mehrere Aspekte. Einerseits erinnert diese Stäbe an ein riesengroßes Mikado.
Das ist immer eine Frage der Balance, des angehaltenen Atems einer ruhigen
Hand und der Versuch ein Stäbchen zu lösen, bevor dann alles auseinander
fliegt und man nichts mehr halten kann und man verloren hat.
Schiller meinte, der Mensch ist nur dort ganz Mensch, wo er spielt.
Also kann man auch sagen, dass in diesem kindlichen Spiel mehr drin steckt als
ein reiner Zeitvertreib. Ja und dann erinnern diese Stäbe von
Weitem gesehen auch an überlange, riesengroße Buntstifte.
Vielleicht ist es auch so das erste Werkzeug, das wir in die Hand nehmen, um
etwas hervorzubringen. Ganz analog, Hand und Papier und dann
diese Stifte, aber gleichzeitig sind die geschwärzt und zugespitzt und sie fallen
und dann wird aus dem Werkzeug der Kreativität ein Geschoss wie
zerberstendes Kriegsgerät, etwas ganz Bedrohliches, ganz Schwarz, also zum
einen mal eine schlanke Linie, die einmal zeichnet und ein andermal trifft.
Ja, das ist auch das, was das Spiel innehat. So ein Einsturz, der kommt ja nie
mit Ansage, sondern ein falscher Zug und alles geht zu Boden.
Und vielleicht ist auch das eine kluge Sache, die diese Arbeit weist, denn schon
im Wort Zufall ist ja auch das Wort Fall mit drin. Der Sturz ist immer mit
eingebaut, auch in dem allerruhigsten Moment und das funktioniert hier, finde
ich, ganz gut. Und es gibt noch einen weiteren Aspekt und zwar Anna Borgmann
ist sowohl Künstlerin als auch Architektin und diese Arbeit funktioniert
ohne Architektur überhaupt nicht. Also sie ist ganz ortsspezifisch und braucht
die Wände, ist ganz raumgreifend und braucht die Architektur als Mitspielerin.
Also nehme man den Raum, dann fiel auch das Gleichgewicht in sich zusammen.
Ja, also man kann sagen, dass diese Installation für einen Moment drei
Dinge zusammenhält, die wir sonst trennen. Das Spiel, das Schöpferische und die
Drohung. Und sie zeigt, dass Gleichgewicht ja nicht eine Ruhe ist, sondern ein
Aufschub als ein Noch und überlässt es uns hinzusehen, solange es gewährt.